Verschwinden, ein Leben lang

Gespräch mit Ilse Aichinger, 2001 Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen? Zuletzt sah ich einen schlechten Film mit Hugh Grant. Und das hat mich besonders geärgert, weil er ein so guter Schauspieler ist. Es hat etwas mit „Chocolat“ geheißen. Es gibt einen schönen Film, der heißt „Chocolat“. Und das hieß „Schokolade zum Frühstück“ und schien mir doch ziemlich missglückt. Aber auch das Missglücken von Filmen weckt mich so auf und mir fällt dann ein, wie ichs besser gemacht hätte – und ich hätte es sicher nicht besser gemacht. Das kam da sicher...

Über Social Reading

Buchreport, 2. Oktober 2015 Guido Graf und Daniel Acksteiner über Social Reading„Mehr als Marketinginstrument, Quasselbude oder Troll-Spielplatz“ Social Reading bei Sobooks. Welche Perspektive hat die gemeinschaftliche Lektüre digitaler Texte? Wie groß ist das Potenzial an Schulen und Hochschulen? Haben kleinere Social Reading-Anbieter eine Chance im Vergleich zu Amazon & Co.?  Guido Graf (Autor, Journalist, Hochschuldozent) und Daniel Acksteiner (Leitung Online-Marketing & Social Media beim Suhrkamp Verlag) im Interview mit Daniel Lenz. Acksteiner und Graf diskutieren im „Orbanism Space“ auf der Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit dem Autor Clemens J. Setz, dem Journalisten Jan Drees und Sobooks-Mitgründer Christoph Kappes am Mittwoch,...

Das Herz der Zukunft schlägt kollaborativ

Als The Future Heart schreibt Wayne Coyne, Kopf der amerikanischen Rockband The Flaming Lips, auf Facebook. Der Name ist mehr als ein bloßer Witz. Wer die Einträge liest und dazu hört, was für Musik Coyne produziert, der weiß: The Future Heart enthält gleich ein ganzes Konzept für die Autorschaft der Zukunft. Über Facebook wird Material gesammelt für eine Youtube-Musicalshow. Über Twitter wird permanent berichtet, was gerade in Arbeit ist. Abgefragt wird, was noch gebraucht wird: Ideen, Fotos oder Requisiten und Statisten für einen Videodreh. Über alle Kanäle werde Leute dazu eingeladen, sich an...

Fälschen und verkaufen

“Brauchen Sie eine Rezension? Bis zu einer Länge von 150 Wörtern rezensiere ich jedes Produkt, jede Serviceleistung oder oder jedes Unternehmen. Sie müssen mir nur einen Link zu den Informationen schicken, die ich rezensieren soll. Ich veröffentliche diese Rezensionen auf keiner Website, sondern schicke Sie Ihnen zurück und Sie können dann damit machen, was sie wollen.” Diese Dienstleistung wird auf der Plattform fiverr angeboten.  Fünf Dollar pro Rezension werden verlangt. Kritiker lautete die Berufsbezeichnung früher. Diese Anbieterin hier firmiert unter dem viel schöneren Benutzernamen “Articlequeen”. “Articlequeen” versteht sich aber nicht nur als...

Community und Kontext

Schreiben und Lesen verändert sich, wir wissen das. Was kann das für die Produktion von Literatur bedeuten? Für die Krimiautorin zum Beispiel, die für ihre Story recherchiert: Was geschieht mit dem ganzen Material, das sie zusammengetragen hat? Wie wäre es mit einem Making-of zu ihrem Buch? Kontext und Hintergrund auf einer Website zu erweitern, wäre auch für Sachbücher eine gute Möglichkeit. Leser können dann Fragen stellen, kommentieren und sogar eigenes Material hinzufügen. Man kann so aber auch Geschichten erzählen. So wie etwa Lynden Gillis das mit GetFisk! tut. So wie die...

„Beschneidet Amazon die Gedankenfreiheit?“

[Interview mit Kornelius Friz, aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 2015]Amazon bezahlt seinen E-Book-Autoren seit Anfang Juli 0,006 US-Cent pro gelesener Seite. Bedeutet das eine Gefahr für das Schreiben und vor allem das Endprodukt, den Text?Man könnte den Spieß auch herumdrehen: Was ist interessant daran? Man sagt ja immer sofort, dass nun nur noch Cliffhanger eingebaut würden. Aus Autorenperspektive gesehen, ist es aber nicht so einfach, so zu schreiben. Natürlich gibt es Schreibratgeber, wie man einen Thriller oder eine Sitcom schreibt oder wo man einen Plot-Point setzt. Diese Art des...