Das Herz der Zukunft schlägt kollaborativ

Als The Future Heart schreibt Wayne Coyne, Kopf der amerikanischen Rockband The Flaming Lips, auf Facebook. Der Name ist mehr als ein bloßer Witz. Wer die Einträge liest und dazu hört, was für Musik Coyne produziert, der weiß: The Future Heart enthält gleich ein ganzes Konzept für die Autorschaft der Zukunft.

Über Facebook wird Material gesammelt für eine Youtube-Musicalshow. Über Twitter wird permanent berichtet, was gerade in Arbeit ist. Abgefragt wird, was noch gebraucht wird: Ideen, Fotos oder Requisiten und Statisten für einen Videodreh. Über alle Kanäle werde Leute dazu eingeladen, sich an der Herstellung eines sechstündigen Songs zu beteiligen. Die Kommentarfunktion auf Soundcloud wird dann genutzt, um die eine oder andere Änderung vorzunehmen.

So ist die Community direkt einbezogen. Der gesamte Arbeitsprozess ist öffentlich. Das Werk ist ein Making-of, in dem das Rohe, das Unfertige, das Vorläufige eine besondere Rolle spielt. Denn das gute Versprechen für die nächste Zukunft ist eben das: gemeinsam mit einer beweglichen, in ihrer Zahl kaum überschaubaren, aber in kleinen direkten Kontakten und in großen Events sich immer wieder konkretisierenden Produktions- und Rezeptionsgemeinschaft etwas herzustellen und dieses Herstellen auch noch zu zeigen.

Ein Beispiel ist die CD der Band: The Flaming Lips And Heady FwendsAlle Songs darauf sind in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden. Mitwirkende beim ersten Track war die Sängerin Ke$ha. Sie hatte ein 40 Sekunden langes Demo von erbärmlicher Qualität an Coyne geschickt. Coyne arbeitete daran in seinem eigenen Studio weiter. Man telefonierte und nahm die Telefonate auf, um das dann auch noch als neues Material zu nutzen.

Dann reiste Coyne nach Nashville, um Ke$ha zu treffen. Da wurden die Aufnahmen Schicht für Schicht weiter bearbeitet. Herausgekommen ist ein Song über den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang. Und darüber, dass man die Zeit bis dahin nur mit reichlich LSD aushalten kann: ”Well it’s 2012, think we’re going to hell / you must be upgraded / put me under your acid spell … I want my mind to be completely toast”.

“You Must Be Upgraded” singen Ke$ha und Wayne Coyne. Genau das ist auch die Forderung, die mit Werken dieser Art an den Autor gestellt wird. Das Upgrade schließt ein: Drogen, schlechte Zähne, DIY-Schreibwerkstatt, mobiles Equipment, dezentrales Arbeiten, Destabilisierung des Ich, Preisgabe von Sinnversprechen und Identitätskonzepten.

Voraussetzung zur Installation des Upgrades ist allerdings die unbedingte Bereitschaft zur Kollaboration. Man muss mit Anschlüssen rechnen, die offene, unbestimmte Kontexte eröffnen. Dabei geht es immer nur um den nächsten Schritt in einem prinzipiell unsicheren Gelände. Nach dem Upgrade ist der Autor eine instabile, immer nur noch vorläufige Konstruktion: “You must be upgraded … Is this the ending, or are we gonna start again?”