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Lehre

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Wintersemester 2019/2020

Vorlesen

Wir lesen vor: Texte und Bücher, die wir für gut, für die besten halten, die wir wichtig finden. Wir lesen vor, weil uns vorgelesen wurde, als wir klein waren. Wir lesen jungen und alten Menschen vor, auf der Straße, im Wartezimmer, im Bus, zum Einschlafen. Wir lesen vor, weil man uns als Vorlesende dafür buchen kann. Wir lesen vor, weil wir ohnehin die ganze Zeit lesen. Wir lesen vor, nachdem wir in diesem Seminar diskutiert und geübt, geplant und organisiert haben und sich viele Menschen nun darauf freuen, dass wir ihnen endlich vorlesen.

Short cuts. Kulturjournalistische Interviews und Videopraxis

Prosanova 2020 steht vor der Tür; wir werden in diesem Seminar mit Übung mit Interviews kulturjournalistisch die Vorgeschichte des Festivals erzählen.

Nach einer Einführung in die wichtige kulturjournalistische Form des Interviews, einer Sichtung verschiedener Spielarten von Interviews insbesondere im audiovisuellen Bereich, entwickeln wir in diesem Seminar Konzeptionen und Strategien für eigene Interviews. Dazu wird es auch Einführungen geben für den Umgang mit Videotechnik, mit Licht und Ton sowie Publikation und Multiplikation online auf

Prosanova 2020 steht vor der Tür; wir werden in diesem Seminar mit Übung mit Interviews kulturjournalistisch die Vorgeschichte des Festivals erzählen.

Nach einer Einführung in die wichtige kulturjournalistische Form des Interviews, einer Sichtung verschiedener Spielarten von Interviews insbesondere im audiovisuellen Bereich, entwickeln wir in diesem Seminar Konzeptionen und Strategien für eigene Interviews. Dazu wird es auch Einführungen geben für den Umgang mit Videotechnik, mit Licht und Ton sowie Publikation und Multiplikation online auf litradio.net.

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Formen der Gegenwartsliteratur (mit Thomas Klupp)

Seminar:

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die junge deutschsprachige Literatur zunehmend politisiert. Literarische Entwürfe, in denen Fragen von Race, Class & Gender offensiv verhandelt werden, spielen dabei eine bedeutende Rolle; damit ist das Feld aber noch keineswegs erschöpft. In diesem Seminar verschaffen wir uns einen Überblick über wichtige Texte, Positionen und Schreibweisen politischer Gegenwartsliterat*innen und analysieren zugleich die damit einhergehenden Debatten im Feuilleton.

Übung:

Diese Übung schließt thematisch unmittelbar an das gleichnamige Seminar an, legt ihren Fokus dabei aber in erster Linie auf die kulturjournalistische Textproduktion. Ausgehend vom literarischen Herbstprogramm 2019 schreiben wir Artikel, Rezensionen und kürzere experimentelle Texte zu aktuellen Titeln und Themen junger politischer Gegenwartsliteratur, die auf der Online-Plattform Pfeil und Bogen veröffentlicht werden sollen.

Labor für digitale Textpraxis: Edition Paechterhaus

Lektorieren und Publizieren im digitalen Raum; Synergien zwischen Print und Digital; aktuelle Buchprojekte im digitalen Publikationsprozess (Planung, Text, Lektorat, Herstellung, Öffentlichkeitsarbeit, Vertrieb).

Sommersemester 2019

Coming-of-digital-age. Erzählen und Identität in der digitalen Transformation

Am Literaturinstitut Hildesheim und anderswo entstehen immer wieder neue Erzählungen und Romane, die in der Tradition dessen stehen, was früher mal Entwicklungsroman hieß und heute als Genre coming-of-age genannt wird. Diejenigen, die sie schreiben, lesen auch in dieser Tradition. Vom Heranwachsen erzählen, von den Konflikten, die damit einhergehen, heißt Identitäten zu konstruieren. Wie sich Erzählen und Identitätskonstruktionen jetzt, in der digitalen Transformation entwickeln und verändern, wie die Vielfalt von Geschlecht und Herkunft, die Drift sozialer Strukturen das Erzählen beeinflusst, wird das Thema dieser Vorlesung sein und anhand zahlreicher Lektüren aus der Gegenwartsliteratur beobachtet und beschrieben werden.

Schwarze Spiegel. Der Einbruch der wirklichen Welt ins Schreiben bei Arno Schmidt

Krieg, Vertreibung, Flucht. Das sind auch deutsche Geschichten. Solche Geschichten, wie Arno Schmidt sie nach 1945 geschrieben hat. Als Ex-Soldat, Flüchtling mittellos in einem kleinen Heide-Dorf gestrandet, erfindet er eine neue Sprache. Diesen Werkprozess werden wir anhand ausgewählter Lektüren verfolgen, dann den Bogen in die Gegenwart schlagen und immer fragen: was fangen wir heute damit an? Das machen wir u.a. mit einer Exkursion in besagtes Dorf und mit eigenen literarischen Texten, die dann vor Ort entstehen und die wir dann bei Pfeil und Bogen veröffentlichen.

The Return. Twin Peaks lesen und schreiben

„This is the water, and this is the well. Drink full, and descend. The horse is the white of the eyes, and dark within.“

Am Ende der zweiten Staffel der damals revolutionären TV-Serie Twin Peaks von David Lynch gab es in der Black Lodge ein Versprechen: die beiden Protagonisten, die ermordete Laura Palmer und der FBI-Agent Dale Cooper würden sich in 25 Jahren wiedersehen. Und im vergangenen Jahr lief nun genau 25 Jahre später die dritte Staffel: The Return. Radikaler, experimenteller als alles, was an seriellem Erzählen bislang zu sehen war. Und um neue Erzählweisen und was man damit anstellen kann, wird es hier gehen. Wir werden uns zahlreiche Ausschnitte ansehen und diskutieren, währenddessen auf der Grundlage permanenten Notierens Texte schreiben, die wiederum etwa in einem Hörspielpodcast inszeniert werden, der bei Litradio veröffentlicht werden kann. Möglicherweise entstehen aber auch noch ganz andere Texte.

Publizieren als künstlerische Praxis. Labor für digitale Textpraxis

Im neuen Labor für digitale Textpraxis fragen wir danach, wie digitale Schreibinstrumente die Produktion von Texten verändern, was digitale Bedingungen für die Produktionsabläufe von Verlagen, Zeitungen und Zeitschriften bedeuten, wie sich alte Berufe ändern und welche neuen in Literaturbetrieb und Journalismus entstehen, wie sich die Inszenierung von Autor*innen und Texten unter digitalen Bedingungen und wie solche Texte rezipiert werden. In diesem Seminar konfrontieren wir nun die Frage nach dem (digitalen) Publizieren mit aktuellen ästhetischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Diskursen. Wir fragen nach der Bewegung vom Produkt zur Praxis, nach neuen Formen kritischer Öffentlichkeit, nach alternativen Formen der Distribution, nach dem Begriff der Postdigitalität, nach Schnittstellen zwischen analogen und digitalen Praktiken – und wir entwickeln vor allem eigene künstlerische Publikationsprojekte.

Wintersemester 2018/2019

Lesen im digitalen Wandel - Die Zukunft des Lesens

Ringvorlesung

Wie lernen wir lesen? Wann lesen wir allein und wie lesen wir gemeinsam? Was und wieviel wollen wir lesen, was nicht? Was bedeutet die Digitalisierung für Bibliotheken und ihre Leser°innen? Wie werden wir gelesen (und überwacht)? Was unterscheidet unseren Begriff vom Lesen von einem maschinellen? Was ist barrierefreies Lesen? Wie entwickeln sich Schriften? Können digitale Bücher schön sein? Wie werden Zeitungen und Zeitschriften gelesen? Wie verändert die Digitalisierung diesen Lese-Alltag? Wie gehen digitales Lesen und Schreiben zusammen?

 

24.10.2018
Die Zukunft des Lesens
Digitales und analoges Lesen. Zur Einführung
Guido Graf (Senior Lecturer, Literaturinstitut Hildesheim)

 

07.11.2018
Lesesozialisation und Digitalisierung
Irene Pieper (Institut für deutsche Sprache und Literatur, Universität Hildesheim).

Im Gespräch mit Guido Graf

 

14.11.2018
Keiner liest allein
Lesegemeinschaften face-to-face & online
Claudia Dürr (Institut für Germanistik, Universität Wien).

Im Gespräch mit Annette Pehnt

 

21.11.2018
Gibt es die Literatur von morgen?
(Und woran ist sie zu erkennen?)
Jo Lendle (Hanser Verlag, München).

Im Gespräch mit Thomas Klupp

 

28.11.2018
Lesen revisited
Von den verschiedenen Dimensionen des Lesens
Svenja Hagenhoff (Institut für Buchwissenschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen).

Im Gespräch mit Guido Graf

 

05.12.2018
Gibt es schöne Ebooks?
Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst, Frankfurt).

Im Gespräch mit Jenifer Becker

 

12.12.2018
Leserin, Autorin, Verlegerin, Agentin, Userin
Elisabeth Ruge wirft viele Blicke auf Texte
Elisabeth Ruge (Elisabeth Ruge Agentur, Berlin).

Im Gespräch mit Annette Pehnt

ACHTUNG: Dieser Termin findet NICHT im Audimax, sondern ausnahmsweise in der Aula im Hohen Haus, Domäne Marienburg, statt! 

 

19.12.2018
Lesen in der Zukunft?
Bedingungen und Potenziale von Leseförderung im “digitalen Zeitalter”
Simone Ehmig (Stiftung Lesen, Mainz).

Im Gespräch mit Guido Graf

 

09.01.2019
Frauen lesen
Lesen und Geschlecht
Katharina Herrmann (54books, München).

Im Gespräch mit Jenifer Becker

 

16.01.2019
Reader Analytics. Datenerfassung und Lesen
Axel Kuhn (Institut für Buchwissenschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen).

Im Gespräch mit Guido Graf

 

23.01.2019
Amazon, Wattpad und Co.
Geteiltes Lesen und Schreiben im Netz
Gerhard Lauer (Digital Humanities, Universität Basel).

Im Gespräch mit Guido Graf

 

30.01.2019
Lesen verlernen
Warum man nicht nur die Buchstaben kennen muss
Jan Drees (Deutschlandfunk, Köln).

Im Gespräch mit Thomas Klupp

 

06.02.2019
Wie Lesende kommunizieren
Karla Paul (Buchkolumne, Hamburg).

Im Gespräch mit Kristina Petzold

Literatur-Gespräch: Kulturjournalistische Erkundungen im literarischen Feld (mit Annette Pehnt)

Events, Festivals, Lesebühnen, Poetry Slams und andere große Inszenierungen verschaffen der heutigen Literatur ein breites Publikum. In Freiburg wird jeden November seit 32 Jahren das Sprechen über Literatur zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens. Seit zwei Jahren kuratiert das neue junge Literaturhaus die Veranstaltung, die sich durch vielfältige Formate auszeichnet. Eröffnet wird das Festival traditionell im Rathaus, wo die Literatur einen Nachmittag lang die Regie übernimmt. Am darauf folgenden Tag gibt es einen Reigen halbstündiger Lesungen mit moderierten Werkstattgesprächen; flankiert wird das literarische Programm von Musik, Film und Kunst-Interaktionen.

Wir wollen das Festival kulturjournalistisch begleiten. Vor Ort werden wir Lesungen aufzeichnen und kommentieren, Gespräche führen und beschreiben, Beobachtungen notieren, Interviews, Portraits, Features uvm. erstellen. Dabei soll es nicht nur um Impressionen und Atmosphärisches, sondern auch um die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen AutorInnen, Texten, Raum und Zuhörerschaft gehen – Feldstudien im Mikrokosmos Literaturfestival.

Unsere Medien werden der Risograph des Literaturhauses sein, mit dem wir vor Ort eine zweifarbige, laufende Festivalzeitung produzieren sowie Litradio, wo wir alle audiovisuellen Möglichkeiten der Online-Plattform nutzen werden.

Litradio, ein kulturjournalistisches Labor

Litradio wird zehn Jahre alt und neben der Jubiläumstour im Litradio-Feuerwehrauto widmen wir uns vor allem der Literaturvermittlung und kulturjournalistischen Praxis des Formats „Porträt“: Ehemalige Redaktionsmitglieder werden interviewt und portraitiert. Wir erproben aber auch neue kulturjournalistische Formate und machen uns an Konzeption und Umsetzung einer Jubiläums-Veranstaltung im Februar 2019.

Die Summe der einzelnen Teile. Lesen und Schreiben mit Georges Perec

„Schreiben wie spielen“ lautet das Oulipo-Programm und der Großmeister dieses Spiels hieß Georges Perec. Ein Spiel allerdings mit anspruchsvollen und durchaus ernsten Regeln, um etwa die Erinnerung an die nach Ausschwitz deportierte Mutter mit sprachspielerischen Mitteln zu ermöglichen. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1982 publizierte Perec eine Vielzahl von Romanen, Erzählungen, lyrischen Texten, Theaterstücken, Hörspielen und Filmen. Er erfand über 300 Kreuzworträtsel, schrieb eine Abhandlung über das Go-Spiel, experimentierte mit Anagrammen und Lipogrammen und schrieb einen Roman, in dem kein einziges e vorkommt. Leerstellen, um vom Leben zu erzählen. Perec ist ein Chronist der Leere, der Abwesenheit. Die äußerste Spielregel dann in dem großen Roman „Das Leben. Gebrauchsanweisung“: unendlich viele Geschichten in einer Erzählung unterzubringen, deren erzählte Zeit nicht länger währt als eine Minute.

Sommersemester 2018

Wahrheit ist Arbeit. Politisches Schreiben (Mit Annette Pehnt)

Projektseminar

„Sei nicht kleinlich mit der Wahrheit, sonst kommt sie Dir großzügig. Wir hassen die Wahrheit, weil sie einer der dreckigsten Vögel auf der Welt Ist.“ (Martin Kippenberger). Wahrheit gibt es nur als Widerspruch zum Falschen. Also bejahen wir die Welt als Irrtum und suchen aus den Erfahrungen politischer Zeitgenossenschaft nach neuen, potentiell wahren Ausdrucksmöglichkeiten, mit manchen unschönen und zugleich schönen Texten. Bissig können diese Texte sein, humorvoll, persiflierend, verbunden auch mit grotesken Verschiebungen von Sprache und Bedeutung. Doch nicht als Selbstzweck. Was sich möglicherweise verletzend, provozierend, banal, absurd, naiv und geschmacklos gibt, muss auch empfindsam, scharfsinnig, wissend, mitleidig, ernst und die Wirklichkeit reflektierend sein können, um das Falsche, das Affirmative und das Täuschende unserer Gegenwart in Frage stellen zu können. Wir schreiben Texte, diskutieren sie in einer Werkstatt und versuchen sie dann zu publizieren.

Auflegen. Gespräche über Musik und Schreiben

Mixtapes, Playlists, Tracks, Samples, Sounds: Wir hören gemeinsam Musik und sprechen darüber, wie literarisches Schreiben von Musik inspiriert oder konfiguriert werden kann, wie biographisch einzelne Tracks sein können und was sie etwa für coming-of-age-Geschichten im Zeitalter des kapitalistischen Realismus erzählen. Wir sprechen, leicht über Pop, Politik und Kritik, über kulturelle Praxis, über Ironie und Pubertät und pitchen die Sounds zu neuen, tanzbaren Texten. Der verschriftlichte Soundtrack des Seminars erscheint dann bei pfeil-undbogen.de

Litradio als App

Bereits seit 2009 gibt es Litradio (litradio.net), eine stetig wachsende Online-Plattform für Literatur mit tausenden Stunden an Lesungen, Gesprächen, Hörspielen, Reportagen, kuratiert von einer Redaktion Hildesheimer Studierender. Zusätzlich gibt es seit einigen Jahren auch eine „Filiale“ in Zürich sowie Korrespondenten und Partner an zahlreichen anderen Orten. Schon bei der Gestaltung der aktuellen Website wurde viel Wert darauf gelegt, dass sie auch gut auf mobilen Endgeräten funktioniert. Nun aber wollen wir sehr konkret in die Entwicklung einer eigenen App einsteigen, auch mit zahlreichen neuen Features (Personalisierung, Interaktionen, Live-Funktionen etc.).

Zusammen mit Studierenden der Wirtschaftsinformatik werden wir mit Methoden des Design Thinking und Projektmanagements eine App für litradio.net entwickeln. Es geht um eine interdisziplinäre, projektorientierte Arbeit in Teams an Planung, Konzeption und Gestaltung einer mobilen Anwendung für die Literaturvermittlung.

"I ossify by gazing" - Literarische Geschichtsschreibung mit Marcel Beyer

In seinem Roman Flughunde hat Marcel Beyer, Träger des Büchnerpreises von 2016 und gegenwärtig einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, von einem Stimmenforscher im Nationalsozialismus erzählt (wir werden uns auch mit Ulli Lusts umwerfender Version dieses Romans als Graphic Novel beschäftigen…). Der Roman Kaltenburg erzählt von einem Ornithologen und Verhaltensforscher zu DDR-Zeiten. Spannend und verstörend, beobachtend und sondierend schreibt Marcel Beyer nicht nur in seinen Romanen. Sein stöbernder Blick zeigt sich auch in seinen Gedichten und Essays. Marcel Beyer kommt nach Hildesheim und wird mit uns über seine Arbeit sprechen. Wir beschäftigen uns mit Marcel Beyers literarischer Geschichtsschreibung, damit, wie man etwas sucht und erfindet.

Wintersemester 2017/2018

Things we lost in the fire. Einführung in den Kulturjournalismus

An dem Lumpensammler Siegfried Kracauer kommt niemand vorbei, um zu verstehen, was Kulturjournalismus ist und was er jetzt und in Zukunft sein kann. Doch darüber hinaus wird es in diesem Semester ausschließlich um Kulturjournalistinnen gehen. Anhand zahlreicher Beispiele vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart, von Ruth Landshoff-Yorck über Dorothy Parker, Sheila Graham, Marie-Luise Scherer, Anna Polikowskaja zu Clara Drechsler, Gabriele Goettle, Mely Kiyak u.a. mehr. Was Glossen und Reportagen, Portraits und Essays, Interviews, Kolumnen und Kritiken sind, kann ein weiblicher Kulturjournalismus mindestens genauso gut zeigen und wir werden in dieser Vorlesung das Bild etwas vollständiger machen.

Was ist Kritik? Theorie und Praxis

Transdisziplinär und methodologisch vielfältig werden wir versuchen, die komplexen Voraussetzungen gegenwärtiger kritischer Praxis zu beschreiben. Dazu werden wir Texte aus Philosophie, Kunstgeschichte und Kunstanthropologie ebenso lesen und diskutieren wie aus Kultur- und Kunstsoziologie, Medien- und Filmtheorie bis hin zu den Studies der Gegenwart: Queer Studies, Postcolonial und Transcultural Studies, Fashion Studies und anderen. Außerdem werden auch theoretische Ansätze vom Strukturalismus bis hin zum Postmodernismus untersucht, um für Praxisfelder wie die Literaturvermittlung und die literarische Forschung Grundlagen eines Verständnisses von Kritik zu erarbeiten. Denn Kritik ist nicht nur Rezeption, sondern auch Produktion. Sie schafft neue Kontexte, in denen sprachliche und stilistische Eigenschaften mit Produktionsbedingungen, Rezeptionsmechaniken, medialen Dispositionen und gesellschaftlichen Diskursen verknüpft werden. Wir fragen: Was ist Kritik und was kann Kritik sein? Welche Formen der Kritik gibt es? Wie entsteht Relevanz? Und es geht auch um eine Kritik der Kritik. Wir untersuchen den Impuls für die Diskussion und Innovation der Funktionen, Formen und Formate sowie Techniken des Sprechens über Literatur, um dann zu fragen: Wie können Literatur und ihre Reflexion zu dem beitragen, was Kritik im 21. Jahrhundert sein kann: Eine beständige Transformation des Subjekts, die Versammlung der beteiligten Akteure an einer Situation oder die Besetzung und Verteidigung einer prekären Freiheit in der Kontrollgesellschaft?

Politisches Schreiben

Wir bereiten mit diesem Seminar das Projektsemester 2018 vor: das Leitthema wird „1968“ sein und für eine einmalige gedruckte Ausgabe von „Pfeil und Bogen“, dem Online-Kulturmagazin des Literaturinstituts, in dem Studierende und Lehrende gemeinsam die Jetztzeit kulturjournalistisch beobachten und die gegenwärtige Literaturszene kritisch begleiten, widmen wir uns Formen politischen Schreibens der Gegenwart. Neben der Beschäftigung mit Aufgaben einer Redaktion wird es im Wintersemester darum gehen, das Projekt zu unterfüttern: mit einem Rückblick auf Beispiele politischen Schreibens vor und nach 1968, mit einem Überblick der wichtigsten Themen, die heute (stattdessen oder eben auch wieder) das Feld bestimmen.

Über Deutschland, über alles. Social Reading und Writing

Ein Essay über „deutschkrümelnde Idiotie“, Tänze mit Burschenschaftlern und Nazis, die auch für Tiere bremsen. Und ein Social-Reading-Seminar, das diesen Buchessay von Pascal Richmann online auf der neuen Lectory-Plattform der Universität kommentiert und analog im Seminar diskutiert – und bei Pfeil und Bogen (pfeil-undbogen.de) weiter schreibt. Und: wir bereiten eine Veranstaktung mit Pascal Richmann im Literaturhaus St. Jakobi vor.

Litradio als App

Bereits seit 2009 gibt es Litradio (litradio.net), eine stetig wachsende Online-Plattform für Literatur mit tausenden Stunden an Lesungen, Gesprächen, Hörspielen, Reportagen, kuratiert von einer Redaktion Hildesheimer Studierender. Zusätzlich gibt es seit einigen Jahren auch eine „Filiale“ in Zürich sowie Korrespondenten und Partner an zahlreichen anderen Orten. Schon bei der Gestaltung der aktuellen Website wurde viel Wert darauf gelegt, dass sie auch gut auf mobilen Endgeräten funktioniert. Nun aber wollen wir sehr konkret in die Entwicklung einer eigenen App einsteigen, auch mit zahlreichen neuen Features (Personalisierung, Interaktionen, Live-Funktionen etc.).

Zusammen mit Studierenden der Wirtschaftsinformatik werden wir mit Methoden des Design Thinking und Projektmanagements eine App für litradio.net entwickeln. Es geht um eine interdisziplinäre, projektorientierte Arbeit in Teams an Planung, Konzeption und Gestaltung einer mobilen Anwendung für die Literaturvermittlung.

Sommersemester 2017

Litradio / PN17

Mit Litradio werden wir Prosanova, das Festival für die Literatur der Gegenwart, (live) dokumentieren – zum Hören und zum Sehen: wir berichten, porträtieren, interviewen, machen Reportagen und Features. Wir erzählen im Vorfeld von Prosanova auf verschiedenen Kanälen von der Entstehung des Festivals. Und: wir machen auf der Litradio-Bühne ein Programm mit Gesprächen, Interviews, Spielen und Performances: Gerede, Verausgabung, Loslabern und natürlich großer Rhetorik. Das Litradio-Team recherchiert, organisiert, konzipiert, realisiert und präsentiert, was bereits im Wintersemester 16/17 geplant wurde. Das Seminar umfasst die unmittelbare Vorbereitung des Festivals, das Ereignis selbst sowie danach eine gründliche Auswertung, weitere Produktionen und die Dokumentation.

Pfeil und Bogen / Die Redaktion

Wir organisieren „Pfeil und Bogen“, das neue Online-Kulturmagazin des Literaturinstituts, in dem Studierende und Lehrende gemeinsam die Jetztzeit kulturjournalistisch beobachten und die gegenwärtige Literaturszene kritisch begleiten. Dafür lernen wir Aufgaben einer Redaktion kennen, auch, wie ihre Arbeitsabläufe organisiert werden können, insbesondere unter Online-Bedingungen. In Zusammenarbeit mit anderen Seminaren sowie mit den Lehrenden des Instituts werden Themen abgesteckt und der redaktionelle Prozess geplant.

Literaturbetriebswirtschaft

Ein Sommer lang Überlebenskunde für den Literaturbetrieb: Unter welchen Bedingungen werden heute und in Zukunft Bücher gemacht, wer entscheidet eigentlich was, wofür sind Urheberrecht und Leistungsschutzrecht zuständig, wieviel Honorar gibt es eigentlich bei Zeitungen und Sendern, warum sollte man sich in der Künstlersozialkasse anmelden, was macht die VG Wort, worauf muss man bei Verträgen achten und was ist das überhaupt für 1 Leben? Und wie kann man darüber schreiben?

Wie wollen wir lesen? Lesen, Schreiben, Diskutieren
Was kann Social Reading? Kann man schreiben ohne zu lesen? Wie kann man gemeinsam und das auch noch online einen Text lesen und darüber diskutieren? Die Universität Hildesheim richtet eine völlig neue Social-Reading-Plattform ein und wir untersuchen Bedingungen, Hintergründe und Möglichkeiten – für die kulturelle Praxis des Lesens und Schreibens von Literatur und für das Gespräch darüber. Wichtig wird auch sein, Chancen und ganz konkrete Schritte auszuloten, die so eine Plattform im Kontext von Lernen und Lehre haben kann. Dafür befassen wir uns mit Methoden des gemeinsamen Lernens, mit der kollaborativen Erschließung von Wissen und der Möglichkeit, reale und digitale Lernräume miteinander zu verknüpfen. Wir entwickeln Anwendungsszenarien für die universitäre Praxis ebenso wie für das literarische Feld.

Wintersemester 2016/2017

Die Redaktion. Themen, Aufgaben, Arbeitsabläufe

Wir gründen ein neues Online-Kulturmagazin, in dem Studierende und Lehrende des Literaturinstituts gemeinsam die Jetztzeit kulturjournalistisch beobachten und die gegenwärtige Literaturszene kritisch begleiten. Dafür lernen wir Aufgaben einer Redaktion kennen, auch, wie ihre Arbeitsabläufe organisiert werden können, insbesondere unter Online-Bedingungen. In Zusammenarbeit mir Seminaren von Thomas Klupp (Literarische Moden und Hypes der Jetztzeit) und Simon Roloff (Kleine Formen) sowie mit den Lehrenden des Instituts werden Themen abgesteckt und der redaktionelle Prozess geplant, um das neue Magazin langfristig in der Öffentlichkeit zu etablieren.

Ken & Barbie hacken Airbnb. Was ist Kulturjournalismus? Eine Einführung

Kultur ist „einer der schlimmsten Begriffe, die je gebildet worden sind.“ Sagt der Soziologe Niklas Luhmann. Was ist aber nun Kulturjournalismus? Arbeit an der Kultur? Beobachtung? Kritik? „Die bessere Täuschung“ (Martin Kippenberger). Trost bei Ken & Barbie, Spurensuche bei Vice und YoutubeAirbnb hacken und kreativer Kulturjournalismus mit Sullivan oder The Wire: In dieser Einführung werden wir anhand einer Reihe von exemplarischen Texten die Frage diskutieren, wozu Kulturjournalismus gut ist und wozu nicht. Es geht um die wichtigsten kulturjournalistischen Formen und Formate und immer wieder um die Frage, was Kulturjournalismus in Zukunft sein kann.

Litradio und Prosanova 17

Mit Litradio werden wir Prosanova, das Festival für die Literatur der Gegenwart, (live) dokumentieren – zum Hören und zum Sehen: wir berichten, porträtieren, interviewen, machen Reportagen und Features. Wir erzählen im Vorfeld von Prosanova auf verschiedenen Kanälen von der Entstehung des Festivals. Und: wir machen auf der Litradio-Bühne ein Programm mit Gesprächen, Interviews, Spielen und Performances: Gerede, Verausgabung, Loslabern und natürlich großer Rhetorik.

Wie genau das geschehen soll, wie das Litradio-Team recherchiert, organisiert, konzipiert, realisiert und präsentiert, bereiten wir in diesem Semester vor. Wir lernen Audiorecording und -bearbeitung, Videointerviews, Transmedia Storytelling, Interviewtechnik, Moderation, wie man kulturjournalistische Formen in der Livesituation meistert und in rasend kurzer Zeit mit einem engagierten Team ein umwerfendes Ereignis auf die Beine stellt.

Wie man wird, was man ist. Von Kindheit erzähle

Anhand einer Reihe von Schlüsseltexten der europäischen Literatur der Gegenwart (Michel Leiris, A.F.Th. van der Heijden, Jan Kjaerstad, Marcel Beyer, Nis-Momme Stockmann u.a.) untersuchen wir, wie kindliche und jugendliche Protagonisten erzählerisch inszeniert werden, und entdecken eine Vielfalt von Erzählformen, die über das Setting des Coming-of-Age-Romans weit hinausgeht.