Django stellt keine Fragen

By Doris Antony, Berlin (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0-3.0-2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

Vor vielen Jahren schrieb der Freiburger Philosoph Ludger Lütkehaus ein Pamphlet gegen den asozialen Fetischismus der deutschen Autofahrer und ihre Zwangsneurose der Geschwindigkeit. Ihr Credo lautet: ”Mein Auto ist Alles und alles andere Nichts!” Sie bestehen nur auf ihre Rechte und werfen die Pflichten über Bord, um eine gesteigerte Form von Wirklichkeit erleben zu können. Die abgründige Dummheit dieser speziellen Form von automobiler Seinsgläubigkeit und gleichzeitiger Nichtsvergessenheit gehorcht nach Lütkehaus dem Stauprinzip: ”Nichts geht mehr.” Das ließe sich treffend umformulieren zu der Maxime: Es geht nichts über das Nichts – wo eben nichts mehr geht; und das genau da, wo doch gerade eigentlich die größte Intensität der sinnlichen Erfahrung des Seins statthaben sollte. Diese verfahrene Situation zu klären, ist für Lütkehaus nicht allein eine psychotherapeutische Aufgabe. Er versucht es grundsätzlicher und geht an eine voluminöse Philosophie des Nichts, die Formen des Abschieds vom Sein verhandelt und sich vornimmt, das Ende der Angst zu feiern. Selten dürfte aus der jüngeren deutschsprachigen Philosophie heraus ein so uneitler Entwurf mit einem derart ungeschminkt fundamentalen Anspruch aufgetreten sein. Sein Eigensinn, seine Dichte und sein leichtfüßiger und pointierter Stil, seine Belesenheit und sein beherzter, alltagspraktischer Zugriff machen diesen fast achthundertseitigen Trumm zu einem philosophischen Werk von gehöriger Subversion. Denn das Nichts ist eine Frage des Lebens. Das hat Lütkehaus am Beispiel der Tiefkühlkonjunktur, deren unheilvolle, zivilisationstrübe Geräuschkulisse wir schon aus Don DeLillos White Noise kennen, deutlich gemacht:

”Hygiene und Sterilität werden komplementär. Unvergänglichkeit ist eben nur um den Preis der Kälte zu haben. Die Verleugnung des Waren-Todes aber verträgt sich mit der allgemeinen Todesverdrängung dieser Gesellschaft auf das Beste. Das vergängliche Leben vermeidet erfolgreich die Selbstbegegnung im Spiegel vergehender Dinge. Allerdings erträgt es sich selbst dafür auch umso schwerer, wenn es in die alterslos gewordenen kühlen Waren-Gesichter blickt.”

Der gefriertechnische Umweg ums Nichts bringt uns nur in existenzielle Selbstzweifel: wir blicken in die Fratze unseres eigenen Todes. Die Vermeidungsstrategien in der Lebenspraxis, das stetige Bemühen um geradezu hygienische Existenzbeweise, die das ‘reine Sein’ jedem Zweifel entrücken wollen, verfrosten ohne Not die Möglichkeit, dem Nichts ein gewisses Gastrecht zu geben. Man könnte es, so führt uns Lütkehaus vor, gelassen weniger als Bedrohung, denn als Schattenfuge sehen in der großen Illusion, die wir uns vom Sein und seinem Sinn (oder Unsinn) machen. Ganz so einfach macht es uns das Nichts – und damit auch der Großessay von Ludger Lütkehaus – jedoch nicht. Allzu beständig wurde der unser Denken beherrschenden Ideologie des Erschaffens, des absoluten Seins, ein eigentlich ebenso totales Nichts gegenüber gestellt.

Das Nichts, das Nichts und das Nichts: schwer läßt sich vorstellen, man könne immer so weiter, so ins Bodenlose reden, ohne sich alsbald in Wiederholungen zu verlieren. Doch Lütkehaus zeigt, daß sich dieser Verdacht bestätigt: man muß so weiterreden, immerzu. Im Nichts, so formuliert es Hegel, beginnt alles, was einst sicher geglaubt war, zu beben. Allerdings zeigt Lütkehaus auch, daß sich in dieser Litanei eine überraschende Lösung auftut für das Problem einer Beschreibung des Nichts. In seiner stetigen Wiederholung, in der Wiederholung überhaupt wird die Struktur des Nichts sichtbar. Für Blanchot steckt in dieser Wiederholung auch eine Verwandlung, die ihn immer wieder durch das Nichts hindurch schickt, sozusagen im Vorübergehen.

Provoziert wird der ebenso emphatische wie ungemütliche Blick auf das Nichts durch das Mißtrauen gegenüber der vermeintlichen göttlichen Schöpfungsgewißheit, die sagt: siehe, alles wird gut. Dagegen variiert Lütkehaus im ersten und umfangreicheren Teil seines Buches in unzähligen Anläufen durch die ganze Philosophiegeschichte immer wieder neu die Frage: ”Warum sollte denn überhaupt etwas werden und nicht nichts bleiben?”

Lütkehaus fragt solange, bis uns diese Frage zu einer vertrauten Melodie wird und wir nicht mehr sogleich auf eine mehr oder weniger plausible Antwort warten. Der zweite Teil, unter dem Titel Nichtsvergessenheit, nimmt die Frage auf und versucht sie umzuformen zu schlüssigen Aussagen, wenn nicht Begriffen vom Nichts. Immer deutlicher jedenfalls wird das erregende Paradox, das Lütkehaus entwirft: eine Antwort auf die Frage würde die Notwendigkeit verleugnen, daß sie überhaupt hätte gestellt werden müssen.

”Ob überhaupt etwas ist: So mag man eine erkenntnistheoretische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für beschäftigungslose Akademiemitglieder formulieren.”

Lütkehaus entzieht der Verzweiflung der Frage nach Sinn und Unsinn des Lebens den Boden, sofern darin auf Absolutes geschielt wird. In einer solchen Frage kann er, mit seinem Gewährsmann, dem philosophischen Sprachkritiker Fritz Mauthner, dessen Werke er im Böhlau Verlag herausgibt, nur selbstgenügsames Wortgeklingel erkennen. Doch beläßt er es nicht beim Spott; er nimmt die fundamentale Erschütterung, die dem Zweifel am Sein vorausgeht, durchaus ernst. Bisweilen geht er sogar so weit, von der Schopenhauerschen Warte aus an der latenten Verachtung für die blinden, dummen dumpfen Menschen teilzunehmen, die wider besseren Wissens über das Nichts so sehr am Leben hängen:

”Warum halten sie fest an diesem nichtigen Leidensleben? Können sie denn nicht rechnen? Sind sie zu dumm, um zu sehen, daß ein einziges, nur zu gewisses Leiden die Alternative von Sein und Nichts entscheidet? Warum blasen sie die Kerze nicht aus, wenn das Spiel sie nicht wert ist? Ja, warum zünden sie unverdrossen weitere Kerzen an?”

Der Wille zum Leben, zum schlichten Sein, sei eben blind, sagen Schopenhauer und Lütkehaus. Nicht zuletzt um der Provokation willen polemisiert Lütkehaus auch gegen die ”Elternmetaphysik”, die selbstgefällig von der Geburt als einem beglückenden Geschenk träumt und nicht in Betracht zieht, daß es sich hierbei auch um ein Diktat handeln könnte.

”Den Morgenglanz der Welt, das erste Lächeln der Kinder, die innige Freude der Eltern – das alles soll keineswegs bestritten werden. Freilich beschenken die Geber, sofern das Leben überhaupt ein Geschenk sein kann, recht besehen sich selber. Denn ohne die Lebendigkeit der Kinder wäre es für die ‘Erwachsenen’ als die Invaliden des Lebens überhaupt nicht mehr auszuhalten. … Gerade wenn das Geschenk mit dem Leben zusammenfallen soll, ist paradoxerweise ohne dieses Geschenk niemand ärmer, wie seine Vorenthaltung niemandem einen Zwang antut.”

Was Lütkehaus hier etwas wohlfeil und zynisch vermißt, ist die Freiheit zum Nichts, zum Nichtsein, zum Nichtgeborenwerden in diesem Fall. Das klingt vielleicht doch ein wenig zu sehr nach der Kompensationsrhetorik kinderloser Doppelverdiener, die meinen sich gegen einen moralischen Popanz einer vermeintlich auf Kinderglück fixierten Gesellschaft wehren zu müssen. Gerade aber mit so einer Konstruktion dürfte einer, zumal philosophischen Rehabilitation des Nichts kaum gedient sein. Lütkehaus nimmt mitunter alles, jede Lebens- und Seinsäußerung als Aussage von Sinn und Wert, insbesondere als moralische Verschwörungen. Es ist jedenfalls nicht ganz nachvollziehbar, wie die Freiheit zum Nichts als das Kinderrecht auf Verweigerung der von den Eltern zugeschriebenen Rolle nun so zwangsläufig mit der Geburt zusammenhängen soll. Die Geburt ist nicht die Alternative zum Nichts. Das müßte jeden Wunsch, lieber nicht sein zu wollen, jede Vorstellung, daß es besser sei, nicht und Nichts zu sein, als bloßen Selbsthaß diskreditieren. Denn wer auch immer so denkt, ist vermutlich irgendwann durch die Geburt dem angeblichen Nichts in das sogenannte Sein des Lebens entlockt worden. Daß Selbsttötung die einzige Möglichkeit sei, sich dem ‘Diktat der Geburt’ zu entziehen und einen Anspruch auf die Freiheit zum Nichts zu wahren, erscheint dagegen als ausgesprochen triviale Einsicht. Als Quintessenz seiner Philosophie des Nichts markiert sie für Lütkehaus gleichwohl einen Eckpfeiler, den ‘Abschied vom Sein’. Die andere Stütze, das versprochene ‘Ende der Angst’, könnte als metaphysische Hoffung mit dieser Freiheit zum Tod verbunden sein. Zum Ende der Angst vor der Bedrohung durch das abgründige Nichts reicht aber eigentlich schon die gelassene Annahme seiner bloßen Möglichkeit:

”Ich kenne mich nur durch meine Geburt; aber ich kann mich als den kennen, der noch den Wunsch, sich kennenzulernen, verwirft. Ich mußte nicht sein, überhaupt nicht. Und wenn ich nicht gewesen wäre, wäre nicht einmal ‘ich nicht gewesen’, sondern an meiner Stelle, die keine ‘Stelle’ gewesen wäre, ein klein oder groß geschriebenes Nichts – das ist unter Umständen völlig egal –, das nicht einmal ein ‘Niemand’, eine bestimmte Negation und ohnehin kein Mangel an ‘mir’ gewesen wäre. Und selbst einmal geboren, muß ich nicht sein. Die Freiheit, aus dem Kerker auszubrechen, umfaßt auch die Freiheit, daß überhaupt kein Kerker mehr sei.”

Das Nichts ist auch nur ein Gegenstand von Glaube und Hoffnung, vielleicht auch nur von Furcht: in diesem Fall, das ist unschwer zu erkennen, geht es Lütkehaus auch um eine Metaphysik der Verzweiflung. So wenig wie das Sein, hat es allerdings Sinn, das Nichts zu verabsolutieren. Was dem Sein, unserer realen Gegenwart, erst Kontur verleiht, ist die Möglichkeit der Abwesenheit von Sein, die Möglichkeit des Nichts. Den Zweifel an der Welt, der sich daran knüpft, kann man mit Schopenhauer, von dessen Werken Lütkehaus ebenfalls vor einigen Jahren eine Ausgabe veranstaltet hat, auch entschiedener formulieren, in gewisser Weise sogar positiver: Man soll nichts bewundern und das heißt zugleich, sich über alles zu verwundern. Schopenhauers Verwunderung, so Lütkehaus, ”ist entschiedene Bewunderungslosigkeit, Verwunderung nicht bloß im Sinn einer lebenspraktischen Maxime, sondern eines prinzipiellen Seinsverhältnisses, und zwar eines negativen, das dem fragwürdigen Sein im ganzen gilt.”

So verstanden ist dieses Lebens- und Weltgefühl eine existenzielle Erschütterung, die durch nichts, erst recht nicht durch das Nichts wieder zur Ruhe zu bringen ist. Ein Ausgleich, der Anschein von Harmonie ist nur vorübergehend möglich. Der seit Freud halbwegs geläufige Gedanke, daß sich dieses philosophische, immer leicht zur Eskalation tendierende Problem in der Ökonomie von Erinnern und Vergessen auflöst, taucht hier nicht auf. Verwunderung scheint als Tauschwert nicht zu taugen, zurück bleibt, wie Lütkehaus es nennt, eine ”quengelnde Metaphysik.” Ein Beispiel für einen Ausdruck des Nichts ist für Schopenhauer der Schmerz. Schmerz verhält sich zum Glück wie Licht zu Schatten, wie das Nichts zum Sein: beides bedingt einander und, was noch wichtiger ist, man kann beides nicht leugnen, sie sind unumgänglich. Zugleich scheinen die gegenseitigen Ansprüche zwischen dem Sein und dem Nichts ein beständiger Quell für Streit zu sein. Und in den Auseinandersetzungen herrscht das Wunder der Tautologie: zu dem Thema gibt es nichts Neues mehr unter der Sonne. Angesichts der tatsächlichen Verflechtung von Sein und Nichts müßte sich eigentlich in all den von Lütkehaus beklagten Schöpfungsideologien, die das Sein mit dem Guten und das Nichts mit dem Bösen identifizieren, eine Grundierung auffinden lassen, die mehr vom Nichts erzählt, als den Ideologen lieb sein kann. Eine solche rhetorische Dekonstruktion ist jedoch nicht Lütkehaus‘ Sache. Ihm geht es – auch um Kalauer ist er ja nicht verlegen – ”um nichts, um gar nichts.” Die flapsige Ambivalenz beim Wort genommen bleibt da eigentlich wenig Raum für Angstkulissen.

”Das Nichts … kennt weder Verlust nich Entbehrung. Es droht weder mit Tod noch mit Vereinsamung. Es ist genausowenig der Schrecken einer Leere, in der alles Etwas vergeht, wie das Versprechen einer Fülle, die das begrenzte und nichtige Etwas zum Alles erweitert, genausowenig der Abgrund eines schwarzen Nichts, der alles verschlingt, wie die Helle eines ‘weißen Nichts’ (Jean Paul), das alles entbirgt. Es ist vielmehr – nichts.”

Nichts scheint leichter, als das Nichts zu loben, endlich ihm sein Recht einzufordern gegenüber dem schnöden, allgegenwärtigen Sein. Dieses Sein ist doch immer da, immer verfügbar, so selbstverständlich, daß sein Schatten – das Nichts – ganz in Vergessenheit gerät? Tatsächlich aber scheint die Macht des Faktischen schon immer, zumindest in regelmäßigen Abständen, für Plädoyers zu sorgen, die das Nichts einklagen, ganz so, als würde es sich dabei um die Aura des Seins selbst handeln. Das Sein hat sinnliche Qualitäten, es läßt sich mit einer großen Vielfalt von Metaphern beschreiben, in denen es wächst und gedeiht, in denen eine immer prächtigere Architektur entsteht. Für das Sein wird die Natur zur Qualität an sich, alles ist da, anwesend, greifbar, ein überwältigendes Reizgetrommel und dabei so unendlich differenziert, daß wir alle Mühe aufwenden müssen, unsere paar Sinne beieinander zu halten, um auch nur einen Bruchteil unserer sinnlichen Gegenwart aufnehmen, erfahren, erleben und genießen zu können. Sein ist im Überfluß da und jeder Zweifel daran scheint nur Verzagtheit anzudeuten. Wir sind also, um überhaupt in der Welt zu sein, im Sein, auch moralisch gefordert. Daß diese Ideologie der Anwesenheit eine Menge blinder Flecken aufweist, die sich nur mit Gewalt auswaschen ließen, macht der Zwangscharakter des Moralischen unschwer deutlich. Ein Fleck scheint besonders dunkel: der des Nichts. Er macht noch blind gegenüber der Blindheit. Hier will Lütkehaus mit seinem Buch einschreiten:

”Die Tradition der Nichtsergessenheit ist zu verabschieden, wenn dieses Denken seinen Obsessionen und Phobien entkommen soll. … Die Überwindung der Nichtsangst fordert … den Abschied vom Sein. … Sie kann das jedoch nur, wenn sie zeigt, daß das Nichts nicht der Schrecken aller Schrecken wie das Sein nicht der Güter höchstes ist.”

Daß wir der Angst vor dem Nichts entkommen sollen, könnte freilich auch nur eine weitere Obsession sein. Allerdings empfiehlt Lütkehaus, wenn er fordert, vom Sein zu lassen, vor allem – Gelassenheit. Entsprechend ist in seiner Diktion das Nichts leichter, einfacher und: leidfreier als das Sein. Diese Gelassenheit läßt Platon am Ende des Phaidon Sokrates demonstrieren, der nun an sich das gegen ihn erhobene Todesurteil mit dem Schierlingsbecher vollstrecken soll. Ein Diener kommt und sagt, daß es nun Zeit sei zu sterben, und Kriton will Sokrates raten, den Vollzug wenigstens bis Sonnenuntergang noch hinauszuzögern. Doch Sokrates antwortet: ”ich meine nichts zu gewinnen, wenn ich um ein weniges später trinke, als nur, daß ich mir selbst lächerlich vorkommen würde, wenn ich am Leben klebte und sparen wollte, wo nichts mehr ist.”

Vor diesem Nichts hat Sokrates keine Angst. Und sei es auch sein letzte, ist diese Entscheidung Sokrates‘ über das Nichts die Freiheit allein des Lebens. Und nichts scheint zu diesem Zeitpunkt weniger wichtig, als nach dem Sinn dieser Entscheidung zu fragen. So nachlässig das Sein sich gegenüber dem Nichts auch verhalten mag, so unangenehm eifernd tritt das Nichts sonst in den Ring, wo die Sinnkämpfe ausgetragen werden. Gern verbündet es sich dort mit einem apokalyptischen laisser faire, dem die Geschichte, unsere Gegenwart, gelenkt von der ”List der Unvernunft, immer zielstrebiger ihrem Sonnenuntergang zu[strebt], ohne sich das wirklich eingestehen zu können und auch nur irgendwie darauf vorbereitet zu sein.”

Den Entzug der eigenen Ressourcen zu beklagen, ändert nichts; es sei denn, man richtet sich auf ein Danach ein: nur wissen können wir davon nichts. Es fehlt folglich in der Geschichte der Philosophie nicht an mokanten Bemerkungen darüber, daß die Frage, die Lütkehaus die ”Grund-Frage” nennt, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, – daß diese Frage nur eine formale Finesse unendlich aufplustert. Wenn statt Etwas wirklich Nichts wäre, bliebe die Frage ungestellt, so die Kritik: das Nichts stellt (wie Django) keine Fragen. Doch das sind, wie Lütkehaus zurecht betont, Scheingefechte. Schließlich steht die Frage schon lange im Raum und sie wird es wohl auch noch weiterhin, denn, daß es keine Antwort darauf geben wird, daß die Frage also wieder und wieder formuliert werden kann: das allein, so können wir von Ludger Lütkehaus lernen, macht ihre Notwendigkeit aus: das Nichts ist eine Frage – und eine Sucht.

Ludger Lütkehaus: Nichts. Abschied vom Sein. Ende der Angst. Ein endzeitlicher Essay. Haffmans Verlag (Zürich)